Oszilloskope aus Tettnang (und andere Oszilloskope) (G)
Mit einem Oszilloskop kann man den zeitlichen Verlauf von Spannungen sichtbar machen.

Oszilloskope der Firma PEK im oberen Raum des Elektronikmuseums Tettnang
Im Elektronikmuseum haben sich einige Oszilloskope angesammelt.
In loser Reihenfolge sind hier vordergründig von der Tettnanger Firma PEK electronic hergestellte Oszilloskope beschrieben.
PEK Typ 147

PEK Elektronenstrahlsichtgerät Typ 147, Bajahr ca. 1957
Das erste in Tettnang hergestellte Oszilloskop dürfte das Gerät mit der Typnummer 145 sein, jedenfalls existiert in historischen Unterlagen noch eine Abbildung davon.

PEK Typ 145 aus PEK-Unterlagen
Vermutlich dessen direkter Nachfolger ist der Typ 147, den es im Elektronikmuseum Tettnang zu bewundern gibt.
Es findet sich sogar unsere Stadt Tettnang im Firmenlogo.

Beschriftung Dr. Jng. Paul E. Klein Tettnang/Bodensee - früher setzte man ein J anstelle eines großen I am Wortanfang.
Das Gerät ist schön klein und handlich.
Das Eingangsfoto zeigt einen Größenvergleich der Geräte.
Bemerkenswert ist, dass es keine Skala gibt, wie viele Volt das Ding misst oder wie schnell der Elektronenstrahl unterwegs ist.
Lediglich Zahlen geben einen Hinweis darauf, was zu sehen ist.
Die Grundlagen für Oszilloskope machte Herr Klein mit seinem Buch "Elektronenstrahl-Oszillographen" 1948 in der Weidmannschen Verlagsbuchhandlung Berlin publik.
PEK Typ 129

PEK Elektronenstrahlsichtgerät Typ 129, Bajahr ca. 1959
Dieses frühe Schwergewicht dürfte Baujahr 1959 sein, jedenfalls fand sich diese Jahreszahl auf einem Kondensator.
Es ist durchaus möglich, dass diese Baureihe schon länger produziert wurde, vielleicht sogar schon, bevor Dr. Klein in Tettnang war.
Jedenfalls könnte man das aus der niedrigeren Typnummer schließen.
Innen sieht das Gerät sehr augeräumt und peofessionell aus.

PEK Typ 129 von innen. Ein schönes Beispiel für Elektronik aus den 1950er-Jahren.
Mit dem Gerät konnte man deutlich genauer messen wie mit dem einfachen 147er: Hier steht an den Knöpfen dran, welche Spannungen in welcher Zeit gemessen werden.
Zumindest ungefähr.

Blick auf Beschriftung und Firmenlogo des PEK Oszilloskops Typ 129
PEK Typ 1015

PEK Oszilloskop Typ 1015, Baujahr Anfang der 1970-er Jahre
Solche kleine und handliche Einkanaloszilloskope waren auch für einfache Werkstätten erschwinglich und für - heute würde man sagen - "Start-Ups".
Im Elektronikmuseum gibt es zwei davon, eines funktioniert.
PEK Typ 1024
!PEK Typ 1024(/labels/IMG_6895_Oszi_PEK1024_offen_schraegoben.jpg)
PEK Oszilloskop Typ 1024, Baujahr ebenfalls Anfang der 1970er-Jahre
Obwohl größer als das 1015er, ist auch dieses Gerät mit nur einem Kanal ausgestattet, es ist also ein eher einfaches Gerät.
Wie man sieht, ist das Gehäuse grün.
Das hat seinen Grund darin, dass sich ein PEK-Mitarbeiter seinerzeit einen persönlichen Prototypen gebaut hat und daher kein offizielles PEK-Gerät ist.
Schaut man oben rein, sieht man, dass das Gerät schön aufgeräumt und einfach aufgebaut ist.
Mechanisch hatte der PEK-Mitarbeiter dennoch einiges zu tun.

Blick ins Oszilloskop Typ 1024
Technisch interessant:
Es gibt nicht mal einen X-Eingang, womit das Gerät nur für Messungen im Zeitbereich verwendet werden konnte.
PEK Typ 2001

PEK Typ 2001 Baujahr 1969
Lange Jahre war das PEK 2001 ab 1969 das Flaggschiff an der Elektronikschule Tettnang.
Das Gerät wurde entwickelt von der Firma PEK (Paul Eduard Klein) in Tettnang.
Das Oszilloskop steht auf einem speziellen Wagen:
Zum einen hat es ein enormes Gewicht, und zum anderen war es 1300 DM teuer, weshalb dass in einem Betrieb üblicherweise weniger Oszilloskope vorhanden waren als Arbeitspläte.
Mit dem "Osziwagen" schob man das Gerät einfach dort hin, wo es gebraucht wurde.
Technisch interessant:
Ein echtes Zweistrahl-Oszilloskop in dem Sinne, dass eine Telefunken-Röhre verwendet wurde mit 2 getrennten Elektronenkanonen und Ablenksystemen.
Zwar lag die Bandbreite bei bescheidenen 200 kHz, aber es gab zwei indentische Kanäle für X- und Y-Auslenkung.
Dies war damals wichtig, weil sehr viele Messungen mit Sinusspannungen im X-Y-Bereich über Lissajousfiguren erfolgten.
PEK Typ 2002

PEK Typ 2002 Baujahr 1972
Das PEK Oszilloskop Typ 2002 ist der aufwändige und nicht nur optische Nachfolger des Typs 2001.
Mit seiner eindrucksvollen Strahlqualität ließen sich auch komplizierte Messungen sehr genau durchführen.
Technisch interessant:
Wie auch der Vorgänger Typ 2001 besitzt auch dieses Oszilloskop eine Röhre mit zwei vollkommen getrennten Strahlsystemen, so dass beide Lichtstrahlen vollkommen unabhängig voneinander in X- und in Y-Richtung abgelenkt werden können.
Das Gerät besitzt daher auch für beide Lichststrahlen auch einen X-Verstärker..
Weitere Oszilloskope anderer Hersteller
Tektronix 7904
Das TEK 7904 war einer der Giganten des Labors. Das High-Tech-High-End-Gerät mit fast grenzenlosen Ausbaumöglichkeiten. Sowohl normale Oszilloskop-Einschübe waren möglich als auch Multimeter, Zähler, HF-Analyzer, Logic Analyzer, Stromverstärker, Differenzverstärker, ...

Die Geräte wurden von 1974 bis 1992 gebaut. Der abgebildete Zeitbasiseinschub 7B92 kostete 2100,- Dollar!! Der kleinste Zeitmaßstab betrug 500 ps/DIV.
Unser Gerät stammt von der Uni Karlsruhe und wurde uns von der Firma DataTec GmbH in Reutlingen geschenkt.
Heathkit O-11
Die Werbung zu dem 5-Zoll Extra Duty Oscilloscope lautete 1958: "Here is our very finest scope! The advanced design and performance characteristics of the O-11 make it a professional piece of equipment."

Im Gegensatz zu den gigantischen TEK-Oszis ging es hier bescheidener zu. Aber, das war Technik für jedermann und somit für die vielen begeisterten Elektronikbastler der 50er und 70er Jahre. Wer von denen hatte nicht schon irgendeinen Bausatz gebaut? Die grauen Gehäuse, wunderschöne Bauanleitungen, das machte einfach Spass und Stolz!
Autoren: Karl Pusch, Rainer Specker
Schwarzweiß-Abbildung Typ 145: Stadtarchiv Tettnang
Übrige Bilder:
PEK-Oszikkoskope: Rainer Specker
Tektronix- und Heathkit-Oszilloskop: Karl Pusch