Lehrzeit von Heinz Mauder bei der Firma P.E.K. in Tettnang

vom September 1968 bis Juli 1973

Berichtsheft Hein Mauder - allererste Seite
Erste Seite des ersten Berichtshefts von Heinz Mauder. Die vollständige Seite sehen Sie weiter unten.

Stand: 03.03.2026
Nach 55 Jahren schreibe ich diesen Bericht aus meiner Erinnerung.
Wenn ich Personen oder Fakten nicht korrekt wiedergegeben habe, so bitte ich um Nachsicht.

Bewerbung bei PEK mit Hindernissen

Mein Vater war Amateurfunker und Radiobastler.
So bin ich früh mit dieser Technik in Kontakt gekommen und irgendwann war klar: Heinz erlernt einen Beruf mit Elektronik.

Die Möglichkeiten waren damals noch beschränkt.
MTU hat drei Lehrlinge eingestellt, das ging nur mit Vitamin B.
Bei Saba gab es Lehrstellen, allerdings zur Ausbildung als Radio- und Fernsehmechaniker.
Ich wollte Elektronik, also auf zur Bewerbung nach Tettnang, wo es zwölf Lehrstellen gab.
Dass diese "Lehrlingsstärke" die Grundlage für die Elektronikschule war, ist sicher durch andere Quellen ausführlich bekannt.
Mit meinen Vorkenntnissen war ich mir sicher, eine Lehrstelle zu bekommen. Einen Plan B gab es nicht.
Aber man macht sich ja so seine Gedanken.
Zwölf Lehrlinge, da ist die Firma sicher froh, wenn nicht alle nach der Ausbildung auf eine Weiterbeschäftigung hoffen.
So habe ich im Bewerbungsgespräch Herrn Dr. Klein erzählt, dass ich noch den Ingenieur machen wollte.
Wie ich später erfuhr, war das der Grund für meine Absage.
Irgendwann hatte ich "gelernt", dass die Firma über jeden Lehrling froh war, der als Facharbeiter dem Unternehmen noch die Treue gehalten hat. Das waren nämlich sehr wenige. Was nun?
Mein Nebensitzer in der Realschule hatte sich bei den Firmen Saba und P.E.K. beworben und von beiden eine Zusage erhalten.
Entschieden hat er sich dann für Saba.
Mit diesem Wissensvorsprung habe ich mich auf mein Fahrrad gesetzt, bin nach Tettnang gefahren um beim damaligen Meister, Herrn Rehm, vorzusprechen.
Ich war gerade 16 Jahre alt! Erst die schüchterne Frage, warum ich eine Absage erhalten habe.
Da erfuhr ich die Geschichte mit dem Ingenieur.
Und dann ließ ich die "Katze aus dem Sack".
Eine Lehrstelle ist noch frei.
Wahrscheinlich habe ich bei Herrn Rehm einen guten Eindruck hinterlassen, vielleicht auch wegen meiner Initiative.
Er hat mir die Lehrstelle zugesagt.

Die Berufsbezeichnung lautete Elektromechaniker Fachrichtung Elektronik.
Die Lehrzeit betrug 3,5 Jahre, konnte aber mit guten Leistungen auf drei Jahre verkürzt werden.
Das habe ich später geschafft.
Der Lehrlingslohn war im ersten Lehrjahr 118.- DM, und hat sich bis zum dritten Lehrjahr auf 178.- DM gesteigert.
Am 9. September ging es dann los.
Auf Details der Ausbildung möchte ich hier nicht eingehen. Dafür gibt es noch meine Berichtshefte in sehr gutem Zustand.
Unter den vielen Lehrlingen gab es auch ein einziges Mädchen. Sie wurde zur technischen Zeichnerin ausgebildet.

Das erste Lehrjahr – die Mechanik.

Unser Meister war Herr Piller, sein Vorgänger Herr Rehm (der mich noch eingestellt hatte) war zur Elektronikschule gewechselt.
Unsere Lehrwerkstatt war im Obergeschoß, die Mechanikwerkstatt mit den Maschinen und den erfahrenen Mitarbeitern war darunter.
Nach heutigen Begriffen hatte das Unternehmen eine sehr große Fertigungstiefe.
Konstruktion, Gehäuse, Befestigungsteile, Lackierung, ätzen von Leiterplatten – das wurde Alles im Unternehmen hergestellt.
Wir waren zwölf neue Lehrlinge.
Jeder hatte seinen Platz an einer Werkbank und seinen eigenen Schraubstock.
Da ca. ein Drittel der 120 Beschäftigten Lehrlinge waren (verteilt auf vier Lehrjahre), konnte das wirtschaftlich nur funktionieren, wenn die "Stifte" einen großen Teil zur Produktivität beigetragen haben.
Wir haben damals viel über diese "Ausnutzung" gelästert und diskutiert.
Im reiferen Alter wurde mir aber bewusst, dass wir dadurch auch sehr viel gelernt haben. Und neben dem fachlichen auch Disziplin, Ordnung und Fleiß.

Wenn sich die Lehrlinge immer wieder im Waschraum getroffen hatten und dann die Zeit vergaßen – Die Lehrwerkstatt war verwaist.
Diese Versammlung wurde von Herrn Piller wieder aufgelöst. Es ergab sich auch die Möglichkeit Überstunden zu leisten.
Die wurden mit 2,50 DM abgegolten.
Als der Meister uns mal fragte, ob wir zu den gleichen Konditionen am Samstag auf seiner Baustelle arbeiten würden – warum nicht? Ich war mit dabei! Mein Ziel war ein Auto zum 18. Geburtstag.
Davor musste ich (mangels öffentlicher Verkehrsmittel) per Fahrrad, Mofa oder Moped von Eriskirch-Mariabrunn nach Tettnang zu meinem Arbeitsplatz kommen.
Regen oder Schnee? Es gab noch keine Helikoptereltern.

Im ersten Lehrjahr haben wir den Härtetest U-Stahl feilen überstanden.
Andere Arbeiten waren die Herstellung von Abstandsbolzen, biegen und bohren von Blechen, ätzen von Leiterplatten (der Arbeitsmantel sah danach aus wie ein Schweizerkäse) oder … Das kann man alles im Berichtsheft nachlesen.

Die "Hackordnung" zwischen den Lehrjahren war klar geregelt.
Wir im ersten Lehrjahr waren ganz unten, dann kam die Elektronikfertigung (zweites Lehrjahr), und die "Elite" (ab dem dritten Lehrjahr) hat im Labor (so hat man die Entwicklung bezeichnet) gearbeitet.

U-Stahl rohe Seite
U-Stahl, die Unterseite ist im Rohzustand. So sah das Teil auf allen Seiten aus…

U-Stahl bearbeitet
… bis der U-Stahl durch Feilen bearbeitet war. Teils mussten mehrere Millimeter weggefeilt werden.
Am Schluss mussten alle Außenseiten topfeben und im rechten Winkel zueinander stehen.
Im Bild ein Stück U-Stahl des Museumsleiters Rainer Specker, der auch 1990 noch U-Stahl feilen musste.

Das zweite Lehrjahr - Löten, Kabelbäume binden und Geräte zusammenbauen

Im zweiten Lehrjahr waren unsere Meister Herr Funk und Herr Ruetz.
Da wurde das löten gelernt und die ersten elektronischen Bauteile verarbeitet.
Zusammen mit den Frauen wurde am Band (das war eine einfache Fließbandfertigung) gearbeitet.
Hier entstanden die Lehrplatten, mit denen elektronische Bauelemente und Schaltungen als Lehrmittel eingesetzt wurden.
Die Herstellung von Kabelbäumen mit Brett, Nägeln und Bindegarn – 40 Jahre später konnte ich das Wissen wieder einsetzen, als in meinem Unternehmen ML-Industrieelektronik einer der Kunden (AEG Postsortiersysteme in Konstanz) Unterstützung gebraucht hat.

Auch der Zusammenbau von kompletten Oszilloskopen.
Einige Wochen waren wir auch im Lager tätig.

Oszilloskop, das der Autor selbst zusammengebaut hat
Dieses Oszilloskop PEK Typ 1024 hat der Autor selbst zusammengebaut.

Das dritte Lehrjahr - Elektronik

Wenn wir es im dritten Lehrjahr ins Labor geschafft hatten, waren wir glücklich.
Endlich richtig in der Elektronik angekommen! Widerstände, Kondensatoren, Transistoren und die ersten Schaltkreise.

In meiner Zeit wurden drei neue Oszilloskope entwickelt.
Die Vorgehensweise? Vom Marktführer Hameg wurde ein Gerät gekauft. Das wurde dann zerlegt und analysiert.
Der Laborleiter hat dann Schaltungen der Komponenten Netzteil, Hochspannungsansteuerung für die Röhre, X- und Y-Verstärker, sowie die Zeitablenkung aufgezeichnet und diese wurden dann in wilder Verdrahtung aufgebaut und getestet.
Die Teile dazu haben wir aus dem Lager besorgt oder per Katalog bestellt.
Wenn der Test abgeschlossen war kam die Aufgabe, das Layout der Leiterplatte in Klebetechnik zu entwerfen, die Leiterplatte dann herzustellen, diese mit den Bauteilen zu bestücken, zu verlöten und zu prüfen.
Wenn alle Komponenten komplett waren, konnte das Gerät zusammengebaut werden.
Dazu gehörte auch die Konstruktion und mechanische Fertigung des Gehäuses, inclusive der Frontplatte, die im Siebdruck beschriftet wurde.
Und der Entwurf eines Kabelbaums zur Verdrahtung.

Im dritten Lehrjahr bekam ich das Angebot die Serienfertigung der Oszilloskope zu begleiten.
Freiwillig das Labor zu verlassen? Das wollte keiner der Kollegen.
Ich nahm die Chance wahr und hatte als junger Kerl schon die Gelegenheit selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten und die Mitarbeiterinnen in der Fertigung anzuleiten.
Auch die Entwicklung einer Prüfstrategie der einzelnen Komponenten gehörte dazu.
Besonders stolz war ich, als mein früherer Physiklehrer der Realschule mit Schülern zur Besichtigung ins Unternehmen kam und ich meine Arbeit vorstellen konnte.

Die Endprüfung und ein Dauertest der Geräte wurde im Prüffeld unter der Leitung von Rudi Ehrat vorgenommen.

Das Leben als Lehrling

Es war die Zeit der langen Haare. Wenn einer der Lehrlinge wieder mal beim Friseur war, der Spott seiner Kollegen war ihm sicher.

Wir haben auch "gesündigt". Die Berufsschule fiel aus, aber statt in die Firma zu gehen haben wir uns an der Argen vergnügt.
Leider sind wir aufgeflogen, als einer der Meister den Lehrer getroffen hatte. Da mussten wir am Samstag nachsitzen.

Eine dringende Auslieferung nach Stuttgart? Das war eine willkommene Abwechslung.
Einer meiner Kollegen war schon 18 Jahre alt und hatte den Führerschein um den Sprinter zu fahren.
Der Außenspiegel ist beim überholen an einem LKW hängen geblieben.

Das erste Messgerät zur Geschwindigkeitskontrolle

In dieser Zeit wurde das erste Geschwindigkeitsmessgerät entwickelt.
Der Typ mit der Lichtschranke, links und rechts der Fahrbahn stand die Doppelröhre.

Die Tests wurden im Tettnanger Wald durchgeführt.
Einer der Späße war, einen der Kollegen zu Fuß mit überhöhter Geschwindigkeit zu photographieren.
Die Lichtschranke wurde mit der Hand ausgelöst.
Der verantwortliche Ingenieur wurde in Österreich einmal von der Polizei angehalten und durfte dann seine Entwicklung bewundern.
Das wurde teuer.

eso Lichtschranke zur Verkehrsüberwachung
Eine Seite einer Lichtschranke zur Verkehrsüberwachung - ein direkter Nachfolger des von Heinz Mauder beschriebenen Gerätes.
Da mit nur zwei Lichtstrahlen keine zuverlässige Messung möglich war, wurde aus der Zwillings- eine Drillingslichtschranke.
Das Gerät im Museum kam von der PEK-Nachfolge-Firma eso.

Nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung blieb ich noch einige Monate im Unternehmen.
Als Vorarbeiter konnte ich mir zusammen mit einem Kollegen am Nachmittag auch mal ein Bier gönnen.
Alkohol während der Arbeitszeit war damals noch völlig normal. Das Bier wurde uns aus dem betriebseigenen Kühlschrank verkauft.

Im März 1972 verließ ich das Unternehmen um meine Zeit bei der Bundeswehr anzutreten.
Später durfte ich mit meiner Band (Didi-Herles-Group aus dem Lindauer Raum) noch den musikalischen Teil einer Weihnachtsfeier im Hotel Rosengarten bestreiten.

Auszüge aus den Berichtsheften von Heinz Mauder

Jeder Auszubildende, früher Lehrling oder im hier im Schwäbischen auch Stift genannt, musste und muss ein Berichtsheft führen.

Heinz Mauders Berichtshefte geben einen schönen Einblick in die damalige Arbeitsweise.
Insbesondere zeigen sie auch, wie die elektronischen Steckbauteile gefertigt und Leiterplatten hergestellt wurden.

Berichtsheft Heinz Mauder
Erste Seite des ersten Berichtshefts von Heinz Mauder

Berichtsheft Heinz Mauder
So oder so ähnlich gestaltet sind Lehrlingsplätze in der Mechanikwerkstatt bis heute

Weitere Auszüge handen davon, wie man Bauteile für die PEK-Experimentierplatten bute und wie man bei PEK Platinen herstellte.


Im März 2026
Autor: Text und Berichtshefte: Heinz Mauder
Bilder: Rainer Specker

Heinz Mauder war 1990 bis 2014 Inhaber der Firma ML Industrieelektronik GmbH in Stockach, welche in Lohnfertigung elektronische Komponenten zusammenbaute, insbesondere wurden Platinen bestückt.
Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr hat er in der Elektronikschule Tettnang seine Ausbildung zum Techniker absolviert.