Dr. Paul Eduard Klein – Industrie, Ausbildung und Vermächtnis
Wie Dr. Paul E. Klein Tettnang prägte
In Tettnang gab es einst eine größere Textilindustrie. Diese brach innerhalb kurzer Zeit weg.
Der damalige Bürgermeister Rudolf Gnädinger musste sich also etwas einfallen lassen, damit seine Bürger wieder eine Beschäftigung haben.
Im Jahr 1955 gelang es Rudolf Gnädinger, Dr. Klein mit seiner Firma nach Tettnang zu holen. Noch im selben Jahr, an Kleins 52. Geburtstag, wurde das Richtfest des neuen Firmengebäudes gefeiert.

Erstes Firmengebäude der Firma PEK in Tettnang im heutigen Max-Planck-Weg
Anfang Januar 1956 startete PEK mit zehn Mitarbeitenden in Tettnang mit der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung elektronischer Messgeräte.
Nun, in Tettnang gab es zwar viele Leute, die es gewohnt waren, in der Industrie zu arbeiten. Nur halt im Bereich Textil, nicht im Bereich der Elektronik.
Damit wurde schnell klar: Schulung und Ausbildung von Nachwuchskräften war dringend erforderlich.
Ausbildung als Schlüssel zur Zukunft
Dr. Klein erkannte früh, dass Innovation ohne qualifizierte Fachkräfte nicht möglich ist.

Schreiben Dr. Klein an die Arbeitsstelle für betriebliche Berufsausbildung
1962 baute er eine Lehrwerkstatt auf, initiierte an der Tettnanger Gewerbeschule eine eigene Fachklasse für Elektronikmechaniker und entwarf dazu landesweit gültige Lehrpläne.
Das Berufsbild des Elektromechanikers gab es damals noch nicht - es musste erst gebildet warden!
Auf Wirken von Dr. Klein und des im oberen Schreiben genannten Ingenieurs Lothar Starke begann dann in Tettnang die bundesweit erste Ausbildung zum Elektronikmechanikers.

Aktenbericht Ing. Lothar Starke zum Beruf "Elektromechaniker"
PEK war lange Zeit der einzige Ausbildungsbetrieb für angehende Elektroniker und musste daher so viele Auszubildende einstellen, um drei Schuljahre zu füllen. Parallel dazu entwickelte das Unternehmen Lehr- und Lernmittel, die bundesweit in Schulen, Betrieben und auch bei der Bundeswehr zur Elektronik-Ausbildung eingesetzt wurden.
Netzwerker, Normensetzer, Wissensvermittler
Neben seiner Unternehmerrolle engagierte sich Klein nun auch verstärkt in der Verbandsarbeit beim ZVEI.

Schreiben Dr. Klein an den ZVEI
Er leitete drei Normenausschüsse, arbeitete in internationalen Gremien und war dank seiner Sprachkenntnisse (Englisch, Französisch, Russisch) deutscher Sprecher in drei internationalen elektrotechnischen Normenkommissionen. Besonders bekannt wurden die von ihm organisierten Tettnanger Tagung "Ausbildung auf dem Gebiet der Elektronik" – bundesweit beachtete Fachtagungen, bei denen Industrie, Handwerk und Bildung gemeinsam über die Zukunft elektronischer Berufe diskutierten.

Tettnanger Tagung "Ausbildung auf dem Gebiet der Elektronik" im Kolpingssaal (Kirchstraße, gegenüber der St.-Gallus-Kirche)
Was 1961 klein im Rathaussaal begann und später viermal im Kolpinghaus fortgesetzt wurde, musste ab 1966 in der Stadthalle abgehalten werden.
Autor, Herausgeber und Vordenker
Dr. Klein veröffentlichte zahlreiche Fachartikel und war, wie bereits erwähnt, Mitbegründer der Zeitschrift "Elektronik". Außerdem initiierte er die Lehrbuchreihe "Leitfaden der Elektronik", darunter Standardwerke wie "Leitfaden der elektronischen Messwerterfassung" und
"Netztransformatoren und Drosseln".

Dr. Paul E. Klein: Netztransformatoren und Drosseln, die erste Auflage hat einen grünen Einband, die zweite Auflage einen roten.

Über den Autor auf der Rückseite des Buchs
Abschied und bleibende Wirkung
1973 verkaufte Klein sein Unternehmen an den noch heute aktiven Göttinger Lehrmittelbetrieb PHYWE AG.
Er blieb dennoch weiterhin in Forschung und Entwicklung aktiv.
Am 17. August 1979 starb Dr. Paul E. Klein überraschend im Alter von 72 Jahren. Bei der Trauerfeier würdigte die Stadt Tettnang einen Mann, dessen Lebenswerk von Erfindergeist, Idealismus und Engagement geprägt war.
Oder, wie es Tettnangs Bürgermeister Viktor Grasselli ausdrückte:
"Die Stadt Tettnang gedenkt heute eines ihrer verdienstvollen, hoch angesehenen Bürger, dessen Wirken zeitlebens von großem Erfindergeist, Engagement, Vitalität und Idealismus getragen war."
Und der Chefredakteur der "Elektronik", Hans J. Wilhelmy, ergänzte, Klein habe sich als "wesentliche Stütze im Informationssektor" bahnbrechend nützlich gemacht.
Denkmal: Grundstein der Elektronikschule
Im Anbau der Elektronikschule, der um 1990 begonnen und 1991 eröfnet wurde, wurde in Form eines Grundsteins ein Denkmal von Dr. Paul Eduard Klein gesetzt.

Denkmal Dr. Paul Eduard Klein. In den Dreiecken im Hintergrund sind Firmengründer verewigt, die einst Schüler auf der Elektronikschule waren.
Autor Originaltext: Gisbert Hoffmann
Bild Gebäude: Josef Witt
Bild Tettnanger Tagung im Kolpingssaal: Foto Tremmel, Tettnang / Sammlung K. Neumann
Bild Grundstein: Rainer Specker
Fotografien Bücher: Rainer Specker
Kürzung mit KI-Unterstützung und Bearbeitung: Rainer Specker, mit freundlicher Genehmigung von Gisbert Hoffmann
Den vollständigen Text zu Doktor Klein finden Sie beim Tettnanger Förderkreis Heimatkunde unter www.foerderkreis-heimatkunde.de/dr-ing-paul-eduard-klein